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History of War - Forum : Kartenvorschläge Allgemein : Kartenvorschlag LA: Torpedobatterie (DIE GLÜCKLOSE BLÜCHER - Konwachts kleine Geschichtsstunde XI)
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Konwacht
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Die glücklose Blücher

Anlässlich meines 12.000 Postings habe ich mir mal gedacht, ich knüpfe an die Vorstellung der Länderkarten zur „Operation Weserübung“ an und bringe einmal die Geschichte dieses Kreuzers, der mit Sicherheit das unglücklichste Schicksal aller Hipper-Schiffe erleiden musste und im Grunde nur durch eine Verkettung tragischer Zufälle und Unzulänglichkeiten der Entscheidungen der Offiziere untergehen sollte.

Zu Beginn Ausbildung…? Pustekuchen…

Die Blücher war der zweite der im Rahmen der Washington-Beschränkungen auf Kiel gelegten und zur Flotte getretenen Schweren Kreuzer des Deutschen Reiches. Sein Name ging auf den preußischen General Gebhart von Blücher zurück (1742-1819). Die Blücher wurde seit 1937 von Kapitän zur See Woldag befehligt, welcher wie so viele Offiziere der Reichsmarine bereits im Ersten Weltkrieg auf Linienschiffen wie Kaiser Friedrich III. und der Ostfriesland seinen Dienst verrichtet hatte. Er galt als Spezialist für die Artillerie und war 47 Jahre alt – für ein Kommando wie die Blücher also durchaus noch jünger. Er erhielt zunächst in der Reichsmarine ein Bordkommando auf der alten Sophie-X, ehe er im Oktober 1937 endlich befördert wurde und damit das Kommando über die zu der Zeit noch im Bau befindliche Blücher übernahm. Die Bauzeit hatte sich extrem verlängert, da bei diesem zweiten Schiff noch zahllose Änderungen gleich beim Bau berücksichtigt werden sollten – u.a. ein neuer Bug und ein anderer Schornstein. Erst Ende Dezember 1939 war die Blücher mit den Umbauten, Einfahrten und Tests der Maschinenanlagen durch, so dass sie von den ersten Fahrten bei Gotenhafen zurückkehren und nach Kiel verlegen konnte, wo die letzten Ausbesserungen vorgenommen wurden. Das weitere Einfahren und Ausbilden der Besatzung konnte nicht erfolgen – das Schiff wurde komplett vom Eis eingeschlossen und ein Freibekommen war ohne die Mangelware Eisbrecher nicht möglich. Erst am 27. Januar verlegte der Kreuzer zu den Deutschen Werken in die Werft – erneut, um Ausbesserungen und letzte Ausrüstung zu ergänzen. Von Ausbildung keine Spur. Diese Restarbeiten dauerten bis Ende März – und damit war die Blücher nach fünf Monaten gerademal 19 Tage in See gewesen! Der Ausbildungsstand kann daher nur als katastrophal bezeichnet werden – und dies wird auch einer der Gründe für das arge Scheitern vor Oslo gewesen sein…

Einplanung für Operation Weserübung

Der Seekriegsleitung war der Umstand bzgl. der Ausbildung der Besatzung natürlich bekannt, jedoch wurde für die Operation Weserübung jedes Schiff der Kriegsmarine benötigt, das halbwegs Aufgaben übernehmen konnte. Die Bedeutung der Aufgabe stand vor allen Bedenken und so wurde die Blücher mit eingeplant – es sollte ihr erster großer Einsatz werden. Man beschloss, dass „einfache Aufgaben“ möglich wären – wenngleich zu diesem Zeitpunkt nicht einmal ein Übungsschießen für die schwere Artillerie stattgefunden hatte – geschweige denn waren Gefechtsübungen, die immens wichtigen Leckwehr- und Maschinengefechtsdienste durchgeführt bzw. geübt worden. Dies alles hätte im April der Fall sein sollen – das Schiff nicht vor Mai einsatzbereit ernannt werden sollen. Dennoch schiffte sich am 5. April der Führer der Kampfgruppe, Konteradmiral Kummetz, mit seinem Stab an Bord ein und die Blücher lief mit der Emden zusammen nach Swinemünde aus. Am 6. April wurden Vorräte und Heizöl übernommen – sowie in der Dunkelheit der Nacht dann 800 Soldaten der 163. Infanteriedivision, welche für Oslo bestimmt waren und überall auf dem Schiff verteilt wurden, da freilich keinerlei Platz für diese zusätzlichen Mengen an Menschen vorhanden waren. Zu allem Übel wie dem schlechten Ausbildungsstand kam noch der Umstand hinzu, dass das Schiff noch große Mengen an Übungsmunition führte – aus Gründen der Geheimhaltung sollte alles aussehen, als würde das Schiff zu seinen normalen Übungsfahrten aufbrechen. Die Übungsmunition kam also nicht an Land, sondern wurde lediglich unter der Gefechtsmunition verstaut. Daraus resultierte wiederum, dass für die Munition der Soldaten kein Platz unter dem sicheren Panzerdeck war – sondern diese über diesem Deck belassen werden musste; großteils in der Torpedowerkstatt backbords sowie achteraus der vorderen Steuerbord-Torpedorohre. Allesamt gefährliche Orte für Munition. Einiges der Munition wurde sogar in den quasi ungepanzerten Flugzeughallen für die Bordflugzeuge gelagert, wo sich nebst der zweiten Arado 196 auch noch vier 50kg-Fliegerbomben befanden. Das erste Flugzeug befand sich dabei die ganze Zeit im teilbetankten Zustand auf dem Katapult, da man es nunmehr nirgends unterbringen konnte.

U-Kontakt!

Da das Schiff für „einfache Aufgaben“ somit bereit stand, war als Ziel Oslo gewählt worden – dies erforderte keine weite Seereise, keine Fahrten durch gefährliche Gewässer oder die Hochsee und der Widerstand wurde als relativ gering eingeschätzt. Am 7. April lichtete die Blücher mit der Emden um 0600 die Anker – geleitet von den Torpedobooten Möwe und Albatros. Sie vereinigten sich mit dem Rest der Kampfgruppe in Kiel, wo die Nacht ohne Zwischenfälle verlief und man um 0300 wieder aufbrach. Für diese Gruppe begann damit das Unternehmen „Weserübung“. Die Blücher führte die Gruppe an – gefolgt von der Lützow und der Emden mit drei Torpedobooten in der Nachhut. Die Gruppe lief rasch in die offeneren Gewässer des Skagerrak aus, um die gefährliche Nähe der dänischen Inselgruppen zu verlassen, wo britische U-Boote zu jener Zeit noch relativ unbeschadet operieren konnten. Gerade als die Schiffe nunmehr dort einliefen, bekam die Albatros Kontakt mit einem jener U-Boote und morste sogleich eine Warnung an das Flaggschiff. Nach mehreren vorangegangen Fehlwarnungen im Inselgewirr Dänemarks erwies sich dieser Kontakt um 19:05 als echt. Die HMS Triton hatte hier Position bezogen und erkannte sofort die Wichtigkeit des Ziels. Doch die Wichtigkeit ließ den Kommandeur zu hastig handeln – er verschoss einen Fächer ohne einen einzigen Treffer zu landen. Die Torpedolaufbahnen wurden jedoch gesichtet und der Verband konnte ausweichen – HMS Triton wurde anschließend von der Albatros mit den wenigen Wasserbomben, welche deutsche Torpedoboote tragen konnten, eingedeckt und unter Wasser gedrückt. Auch HMS Sunfish befand sich in diesen Gewässern und sichtete den deutschen Verband. Im Gegensatz zur Triton befand sich das Boot jedoch außer Reichweite – konnte dafür aber auch die Anwesenheit der Gruppe melden. Als die Dunkelheit hereingebrochen war, konnte Albatros wieder aufschließen und die Gruppe drehte auf den Oslo-Fjord ein. Die Nacht war sehr dunkel, aber vollkommen klar. Nachdem der Verband nun die Insel Torbjornskar, welche vor dem Oslo-Fjord liegt, passiert hatte, traten die Besatzungen auf die Gefechtsstationen. Mitternacht war verstrichen und es folgte die letzte Phase der Annäherung.

Kontakt im Oslo-Fjord

Just in diesem Moment schälte sich aus dem Dunkel der Nacht ein norwegisches Patrouillenfahrzeug – die gerademal 214 Tonnen schwere Pol III, ein umgebauter Walfänger. Die Albatros bekam sofort Befehl zum kapern und eröffnete das Feuer – die Blücher glitt derweil voraus in den Fjord hinein. Der erste Offizier, FKpt. Heymann, meldete dem Kommandanten das Schiff „klar zum Gefecht“ und verblieb auf ausdrücklichen Befehl auf der Brücke. Beinahe direkt darauf beleuchteten die Scheinwerfer der Batterien auf den Inseln Bolaerne (backbord) und Ranoy (steuerbord), welche den Eingang des Fjordes bewachten, den großen Kreuzer. Grell angestrahlt konnte die Besatzung des Kreuzers den Aufprall des ersten Warnschusses nicht beobachten – und damit auch nicht die Gefährlichkeit der Nähe der Einschläge berücksichtigen. Nur Augenblicke später erloschen die Positionsfeuer des Fjords. Es krachten sieben weitere Schüsse durch die Nacht, welche allesamt wohl 75 bis 300m achteraus der Schiffe landeten. Der Navigationsoffizier, KKpt. Förster, tat seine Ansicht kund, dass es sich wohl eher um Protest als um wirklichen Widerstand gehandelt habe und somit wenig Schwierigkeiten zu erwarten seien. Tatsächlich aber scheint es eher so, als habe der Kommandeur der Batterien nicht das Feuer auf unidentifizierte Schiffe eröffnen wollen – es hätten ja auch Schweden oder Briten sein können. Und so kam es während Operation Weserübung in der Tat bei zahlreichen Vorfällen dazu, dass die Deutschen sich entweder als Briten tarnen konnten oder als solche „empfangen“ (oder besser – akzeptiert) wurden. Der Verbandskommandeur Kummetz hatte zuvor seinerseits klare Befehle erlassen, wonach eine Feuereröffnung nur auf Befehl des Flaggschiffes zu erfolgen habe und auch dann nur, wenn dieses ernsthaft angegriffen würde. Dem Anleuchten mit Scheinwerfern sollte durch Gegenleuchten begegnet werden – was jedoch keine Erlaubnis zum Feuern darstellte. Von diesen ersten Batterien freigekommen befahl die Blücher gegen 0046 dem Verband zu stoppen. Sechs begleitende R-Boote nahmen nun einen Teil der Truppen von Bord der Blücher und der Emden bei sich auf.
Während der Verband wieder Fahrt aufnahm, wurden Kondor, Albatross, R17 und R21 detachiert, um den Kriegshafen Horten zu besetzen. Um 0330 glitt der Verband damit etwas verkleinert gen Norden durch den schmalen Fjord nach Oslo. Da mittlerweile der Großteil aller Navigationsfeuer an Land gelöscht worden war, verringerte Kummetz die Geschwindigkeit des Verbandes auf nur noch 7 Knoten, um ein Bezwingen der Enge bei Drobak bei Nacht zu vermeiden. Denn hier war der Fjord von etwa 1200 bis 1400m Breite durch die Insel Smaskjaer in zwei Hälften geteilt, da eine ausgedehnte, den Deutschen bekannte, Minensperre die linke Häfte sperrte – von hier aus ging gen Westen ein weiterer Seitenarm des Fjordes ab. So war hier der Verband auf eine Fahrrinne von nur etwa 700 bis 800m gezwungen.
Scheinwerfer eines Patrouillenfahrzeuges sowie auf Land aufgestellte Scheinwerfer beleuchteten mit einem Schlag um 0440 direkt vor jener Enge die Blücher taghell, als der Verband langsam gen Norden kroch. Auf der überfüllten Brücke befanden sich nunmehr nicht nur der Admiral, der befehlshabende Kapitän und dessen erster Offizier, sondern auch noch der Stab des Admirals und die Heeresoffiziere Generalmajor Engelbrecht und Stußmann sowie deren Führungsgehilfen. Durch die starke Blendung der Brücke waren die feindlichen Positionen nicht auszumachen. Die Feuerleitoffiziere vermochten keinerlei Ziele aufschalten – und der Rest des Verbandes konnte nur mit ansehen, wie die Blücher in der stockdunklen Nacht geisterhaft angeleuchtet wurde.

Feuerschlag

Es dauerte eine Weile während der der Kreuzer weiter voran glitt, als um 0521 – direkt auf Höhe der Insel – plötzlich die schwere Küstenbatterie auf Oscarsborg (backbord auf der Insel Süd-Kaholmen voraus) mit ihren 280mm-Geschützen das Feuer eröffnete. Diese Festung führte insgesamt drei Geschütze – die beiden 280mm Krupp 1891 „Moses“ und „Aaron“ sowie ein 305mm-Geschütz, das nicht einsatzbereit war, wenngleich deutsche Quellen oftmals von drei einsatzbereiten 280mm sprechen. Auf diese kurze Entfernung von vielleicht 1700m war es bei der Anleuchtung der Blücher beinahe unmöglich, vorbeizuschießen. Der erste Schuss schlug direkt in den Haupt-Fla-Einsatzstand ein, verursachte schwere Verluste, während der Turm des Fla-Leitstandes sich mit dichtem Rauch füllte – wenngleich hier Panzerung weitere Verluste verhinderte. Kapitän Woldag hatte seinem I. AO, KKpt. Engelmann, befohlen, gegnerisches Feuer nunmehr sofort zu erwidern – jedoch ließ sich kein Ziel ausmachen. Die Blendung war perfekt. Die Verhältnisse im Vormars erzwangen zudem seine sofortige Räumung. Damit ging die Feuerleitung an den III. AO im vorderen Stand über – der jedoch hatte seinen Beobachtungsposten deutlich niedriger als jener im Vormars, wodurch sich erst Recht kein Ziel ausmachen ließ. Die mittlere und leichte Flak hingegen eröffnete wahllos das Feuer – auf Häuser und alle anderen Ziele, die nur irgendwie in Reichweite backbord und steuerbord am vorbeiziehenden Land zu erkennen waren. Dies freilich half wenig – die Batterie Oscarsborg lag auf der Insel direkt voraus backbord der Fahrrinne. Auf der überfüllten Brücke hatten der Schock des ersten Feuerschlages, die umher fliegenden Granatsplitter (die Blücher führte im Gegensatz zur Admiral Hipper eine offene Admiralsbrücke) und die Erschütterungen durch die feuernde Flak ein mittleres Chaos ausgelöst. Woldag befahl noch volle Fahrt, in der Hoffnung, die Enge durch Schnelligkeit zu überwinden – dabei bewusst das Risiko der gefährlichen Fahrrinnentiefe eingehend. Doch dieser Versuch, die Drobak-Enge auf diese Weise zu überwinden, war von vornherein zum Scheitern verurteilt – Woldag hätte besser daran getan, wolle Kraft zurück zu befehlen. Die Norweger griffen nun mit allem an, was sie besaßen – sogar ein winziges Vorpostenfahrzeug griff mit einem einzelnen Maschinengewehr die Menschen an Deck an. In diesem Moment traf eine zweite 280mm-Granate die Flugzeughalle. Ausgerechnet diese! Beide Flugzeuge, das nahe stehende backbordseitige 105mm-Geschütz und die Flugzeughalle wurden zerstört – sofort brachen wilde Brände aus, da die hier gelagerte Heeresmunition hochging. Und um alles noch zu verschlimmern, griff nun noch die 150mm-Batterie von Drobak selbst, nur etwa 400 bis 600m entfernt an Steuerbord mit überaus verheerender Wirkung in den ungleichen Kampf mit ein. Von 25 Schüssen trafen 20 Granaten das Mittelschiff und verwüsteten es. Der Flaleitstand B sowie das benachbarte 105mm-Geschütz wurden zerstört, während schon die ersten Treffer auch noch Ruder- und Maschinentelegrafen beschädigten, bei just backbord liegendem Ruder. Das Schiff drehte auf die Insel Kaholmen und damit die Hauptbatterie direkt ein – weshalb Woldag die Steuerbord-Maschine stoppen musste, um den Drall abzufangen und das Schiff wieder halbwegs auf Kurs zu kriegen. Über die Sprachrohre wurde die Schiffsführung langsam wieder hergestellt – das Feuer der Batterien wurde schwächer, da die Blücher nunmehr durch den hohen Schwung der „vollen Fahrt“ sowohl an der Enge Drobak als auch an der Insel Süd-Kaholmen vorbeigezogen war – und damit aus dem Winkel der Batterien herauswanderte. Direkt auf Höhe der an Süd-Kaholmen anschließenden ebenfalls mittig im Fjord liegenden Insel Nord-Kaholmen durchliefen zwei schwere Erschütterungen das Schiff. Zunächst dachte man an ein Auflaufen auf Minen – andere glaubten, man sei auf Grund gelaufen. Meldungen der Leckwehrgruppen bestätigten jedoch bald, dass es sich vielmehr um fatale Torpedovolltreffer handelte. Zwei 450mm „Whitehead“-Torpedos hatten die Maschinenraumpanzerungen zerfetzt und die Sektionen unter Wasser gesetzt. Die Batterie auf Nord-Kaholmen war ausgesprochen geschickt angelegt worden – vollkommen getarnt und ausgerichtet, dass die Torpedos direkt in einer Höhle unter Wasser gestartet und durch Bahnen in die richtige Richtung geschickt werden konnten. Zielen war auf die schmale Fjordbreite nicht notwendig. Der kleine Fächer reichte vollkommen aus, um todsicher Ziele zu finden…

Der Todeskampf

Während die Blücher mit immerhin noch 15 Knoten vorbei glitt, aber zunehmend langsamer wurde, senkte der restliche Verband rapide die Geschwindigkeit – Lützow und Emden entzogen sich nur mit Mühe ihrerseits dem Feuer der Batterien. Auf Lützow wurden immerhin drei Treffer erzielt, welche u.a. den vorderen Turm ausschalteten. Da die Blücher offenbar schwer getroffen worden war und eine Weiterfahrt gen Oslo nicht möglich war, bis die Batterien niedergekämpft waren, übernahm Kpt. z. S. Thiele, der Kommandant der Lützow, auf Befehl des Flaggschiffs das Kommando über den Verband. Er ließ abdrehen und zog sich etwas zurück, um Truppen etwas fjordabwärts anzulanden und zunächst die Batterien zur Aufgabe zu zwingen. Das Flaggschiff befahl noch dem Torpedoboot Möwe, durchzubrechen und längseits zu gehen, um bei der Bekämpfung der wilden Brände an Bord der Blücher zu helfen – doch Thiele widerrief den Befehl kurzerhand und rettete das Boot somit womöglich vor einem identischen Schicksal wie die Blücher es erlitt. Die Blücher besaß zu jener Zeit noch immer etwas Fahrt, steuerte mit den verbliebenen Maschinen und besaß lediglich 8 bis 12° Schlagseite, so dass die Offiziere an Bord an eine mögliche Rettung des Schiffes dachten. Leider hatten die Torpedotreffer jedoch sämtliche Stromnetze an Bord ausgeschaltet – wodurch die Leckwehrpumpen nicht arbeiteten. Schließlich fielen auch die Turbinen aus und das Schiff war somit manövrierunfähig. Nach Eingang dieser Meldungen beschloss Woldag zu ankern – seine Offiziere waren nämlich der Meinung, die beiden Maschinen möglicherweise in etwa einer Stunde wieder in Gang kriegen zu können. Angesichts dieser Tatsache beschloss der Kommandant, das Schiff nicht auf Strand zu setzen, was hier oberhalb der Drobak-Enge möglich gewesen wäre. Mit einigen Schwierigkeiten konnte schließlich Anker geworden und das Schiff zum Stillstand gebracht werden. Doch die Blücher litt immer mehr – der gewaltige Brand in der Flugzeughalle hatte sich nunmehr mit den zahllosen Decksbränden vereinigt, so dass beinahe das gesamte Oberdeck in Flammen stand. Das Schiff war durch diese Flammenwand buchstäblich in zwei Teile geteilt – beide Seiten hatten keinerlei Kontakt mehr zueinander. Die niedrige Ausbildung der Leckwehreinheiten führte zu einer unkoordinierten Brandbekämpfung – doch muss man zugute halten, dass die hohe Anzahl der Treffer und die Art derselben selbst die beste Besatzung auf eine harte Probe gestellt hätte, schließlich fehlten die Pumpen als Hilfe. Die Bestandsaufnahme ergab für Woldag, dass die Backbordwand in Höhe des I. 105mm-Geschützes aufgerissen war und Flammen hervorschlugen, während die Torpedowerkstatt gar nicht mehr existierte – ein riesiger Krater im Schiffsrumpf. Die Flugzeughalle war nichtmal mehr in der Flammenwand zu erkennen – und noch immer lagerte überall die Heeresmunition auf dem restlichen Schiff. Hastig wurde einiges davon nunmehr über Bord geworfen, andere brachte man rasch in die sichereren Panzerkammern unter dem Panzerdeck, wo Brände keine Nahrung fanden. Die Brände gerieten eindeutig außer Kontrolle. Woldag ließ daraufhin die Geschützbedienungen ebenfalls den Feuerlöschtrupps zuteilen und erbat von Kummetz die Erlaubnis, die Möwe als Feuerlöschhilfe herbeizurufen. Wie erwähnt wurde dies zwar erlaubt, doch an Bord der Lützow wurde dieser Befehl widerrufen. Die ganzen Brandbekämpfungen wurden dadurch erschwert, dass auch die manuellen Löschleitungen von Granatsplittern zersiebt waren, die Verwundeten immer mehr an die wenigen ungefährdeten Bereiche des Schiffes evakuiert werden mussten und zuletzt noch die 50kg-Bomben im Flugzeughangar der Hitze nachgaben und den gesamten Bereich verwüsteten. Die Besatzung schoss noch die Torpedorohre soweit möglich frei, die Schlagseite erhöhte sich auf 18°. Schließlich flog die 105mm-Granatkammer in die Luft und das Schiff erbebte erneut ungeheuerlich, während eine übermasthohe Flammensäule aufstieg. Nachdem die Flammen sich durch Kabelkanäle auch ins Innere fraßen und die Arbeit in den Kesselräumen unmöglich machten, war an eine Widerherstellung der Steuerung ohnehin nicht mehr zu denken. Jetzt erst erkannte Woldag, dass das Schiff schlichtweg nicht mehr zu retten war und befahl das Ausschiffen der Besatzung und der Heeressoldaten. Doch nur der Steuerbord-Kutter konnte zu Wasser gelassen werden – der Backbord-Kutter wat zerschossen. Da auch alle Kräne mittlerweile unbenutzbar geworden waren, konnten nichtmal mehr die Dingis und die Motorboote ausgesetzt werden. Zu allem Übel war die Masse der an der Reling befestigten Schwimmwesten verbrannt – die Heeressoldaten versuchten nun mit aller Macht an Deck zu gelangen. Teils krackselten sie aus den Bullaugen – blieben aber nur zu oft mit der sperrigen Ausrüstung (im Verhalten bei Seenotfällen waren sie freilich nicht geschult) stecken und viele, viele starben mit der Blücher.

Aufgabe des Schiffes

Die Blücher ankerte nur 300m von der kleinen Insel Askenholmen entfernt – das Heck der Küste zugewandt. Die Entfernung vom Bug zum Festland war hingegen größer. Der Kreuzer ließ sich auch nicht mehr vom Anker trennen, wodurch der Versuch, durch Treiben die tödlich-eisige Wasserstrecke zu verringern, fehlschlug. Auf dem Vorschiff befanden sich der Admiral, der Kommandant und der IO, während achtern der Leitende Ingenieur den Befehl inne hatte. Bei einer Schlagseite von 45° befahl jener achtern das Schiff zu verlassen – die Backbordreling lag bereits unter Wasser. Um 0700 befahl kurze Zeit später auch Woldag vorne, das Schiff zu verlassen. Die Evakuierung soll erstaunlich diszipliniert vor sich gegangen sein. Viele Matrosen gaben ihre Rettungswesten den Heeresangehörigen, von denen ja die meisten nichtmal schwimmen konnten. Einigen der Letzteren musste sogar noch immer befohlen werden, ihre Ausrüstung und vor allem die Waffen zurückzulassen und schlicht ihr Leben zu retten. Der eine Kutter hatte sich bei der zweiten Fahrt zudem noch eine irreparable Beschädigung zugezogen, so dass alle restlichen Mann schwimmen mussten – viele der im Wasser hängenden Männer erreichten nie das so nahe Land; die Kälte tötete sie schneller als sie schwimmen konnten. Vor allem jene Matrosen, die ihre Schwimmwesten abgegeben hatten, fanden zu Hauf ein kaltes und nasses Grab…
Die Blücher kenterte um 0730 und sank langsam über den Vordersteven, bis nichts mehr zu sehen war – sie riss zahlreiche im Rumpf von Bränden eingeschlossene Männer mit sich. Bis heute ist nicht geklärt, wie viele genau starben. Autoren wie M.J.Whitley geben nur 125 gefallene Seeleute und 195 gefallene Heeresangehörige an – andere sprechen von bis zu 600 toten Seeleuten und Soldaten.
Der restliche Verband bekam von all diesem nichts mit, da die Funkverbindung schon lange abgerissen war und die Enge noch nicht bezwungen werden konnte. Im Verlauf des Vormittags und des frühen Nachmittags griffen Stukas und Bomber die Festungen der Enge an, während die Lützow diese mit ihrer schweren Artillerie unterstützte. So konnte ein Motorboot durchbrechen und das traurige Schicksal der Blücher zurückmelden… ein Torpedoboot holte später die Überlebenden von der kleinen Insel, auf der sie Zuflucht gesucht hatten. Die Operation der Landegruppe war zu allem Überfluss auch noch mehr oder weniger umsonst gewesen – die Männer konnten zwar später die Batterien besetzen, ihr Ziel Oslo jedoch wurde in der Zwischenzeit längst von starken Einheiten der Luftlandetruppen eingenommen. Der gesamte Durchbruchversuch in diesem schmalen und gut verteidigten Fjord war also mehr oder weniger überflüssig gewesen – die Batterien hätten auch leichter erobert werden können. Die Deutschen stellten später fest, dass durch den Beschuss der deutschen Schiffe und die Luftangriffe die Festung kaum gelitten hatte – sie ergab sich auch erst nach Verhandlungen mit einem Parlamentär unter Zusicherung freien Abzuges. Auch die kleineren Boote des Verbandes hatten keinen großen Erfolg bei ihren Landungsoperationen im südlicher gelegenen Kriegshafen. Das Torpedoboot "Albatros" lief auf Grund und musste aufgegeben werden. R 17 wurde durch den norwegischen Minenleger "Olav Tryggvason" versenkt und nur R 23 gelang es, ein norwegisches U-Boot zu versenken.

Der Kartenvorschlag

Passend zum traurigen Schicksal möchte ich hier einen neuen Landausbau vorstellen, der vielleicht als Alternative zu den üblichen Küstenbatterien dienen mag. Die „Zielauswahl“ ist erheblich eingeschränkt (keine U-Boote, keine schnellen Einheiten), dafür erhält man relativ kostengünstig im Vergleich zu sonstigen KüBas soliden Sperrschaden, um die dicken Pötte fernzuhalten, wenn man z.B. ein Landdeck gegen Schlachtschiffspam verteidigen muss – wozu die bisherigen KüBas leider keinen Dienst erweisen. Der Schaden kann addiert Kreuzern gefährlich werden – und zumindest Stukas etc. unterstützen. Die Sperrfähigkeit bezieht sich auf die Fähigkeit einer Torpedobatterie, an strategisch günstigen Stellen ganze Mündungen zu kontrollieren und Schiffe zurückzuzwingen, wobei ich aber keine „besseren Aufklärer“ wollte, weshalb es auf angreifende Einheiten und Schadens-Abgabe beschränkt ist. Da dies gegenüber den normalen KüBas IMO trotz der Einschränkungen recht stark ist, kein TW-Symbol. Man kann natürlich auch Varianten durchdenken – aber die Grundidee sollte vielleicht klar geworden sein

Torpedo-Batterie

TW: 3
VG: 8

Fahnen: 1

KEIN TW-Symbol.

Text:

„Sperren: 3 Schaden auf einen Kreuzer oder ein Schlachtschiff im selben Land.

Sperren: Sperre ein gegnerisches Schiff im selben Land, welches angreift oder zum Verursachen von Schaden gesperrt wird.“

29-05-2005 at 13:20 | Antwort mit Zitat
Langer81
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Beiträge: 297
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icon Re: Kartenvorschlag LA: Torpedobatterie (DIE GLÜCKLOSE BLÜCHER - Konwachts kleine Geschichtsstunde XI)

Glückwunsch zum 12.000.
Würd gern wissen, vieviel Zeit du insgesamt mit tippen verbracht hast

29-05-2005 at 14:42 | Antwort mit Zitat
Wüstenfuchs
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Beiträge: 345
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icon Re: Kartenvorschlag LA: Torpedobatterie (DIE GLÜCKLOSE BLÜCHER - Konwachts kleine Geschichtsstunde XI)

schöne Geschichtsstunde .... das schöne Schiff

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HoW-Schwabe
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29-05-2005 at 17:09 | Antwort mit Zitat
Sharky
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Beiträge: 983
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icon Re: Re: Kartenvorschlag LA: Torpedobatterie (DIE GLÜCKLOSE BLÜCHER - Konwachts kleine Geschichtsstunde XI)

@ Koni: Danke, dass du das machst.

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30-05-2005 at 15:39 | Antwort mit Zitat
History of War - Forum : Kartenvorschläge Allgemein : Kartenvorschlag LA: Torpedobatterie (DIE GLÜCKLOSE BLÜCHER - Konwachts kleine Geschichtsstunde XI) New Topic Post Reply



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